01.-02.06.2014: Qinghai-Tibet Railway: von Lhasa nach Xi'an

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Steintore


Fakten zur Qinghai-Tibet-Bahn:

Die Gesamtstrecke zwischen Lhasa und Xining verläuft über 1956 km. Sie weist mehrere Weltrekorde auf: Mit einem Scheitelpunkt von 5.072 Metern ist sie die höchstgelegene Bahnstrecke der Erde (255 m höher als die Peruanische Südbahn).An ihr liegen ebenfalls der höchstgelegene Bahnhof der Welt (Tanggula, 5.068 m) und der höchstgelegene Tunnel der Welt (4.905 m). Die Lhasa-Bahn ist eines der größten Eisenbahnbauprojekte, die im 21. Jahrhundert fertiggestellt wurden.

Die Gesamtstrecke der Lhasa-Bahn beginnt in Xining, jedoch wird häufig Golmud als Anfangspunkt bezeichnet, da die aufwändige Hochgebirgsstrecke im südlich von Golmud gelegenen Nanshankou ansetzte. Dieser obere Abschnitt der Bahn stellt eine Besonderheit dar: Ein Viertel der Strecke wurde auf Permafrostboden gebaut. Dieser Boden taut oberflächlich im Sommer kurzzeitig auf, ohne dass er durch Vegetation stabilisiert wird. Das Wasser kann in dem in der Tiefe weiter gefrorenen Boden nicht versickern, an der Oberfläche bildet sich eine Matschschicht, in die der Oberbau einsinken würde. Aus diesem Grund wurden verschiedene Techniken entwickelt, um ein Auftauen zu verhindern:

An kritischen Streckenabschnitten wurden Stahlröhren in den Boden gesenkt, die mit Ammoniak gefüllt sind. Sie ragen etwa drei Meter aus dem Erdreich heraus. Im Bereich des Permafrostbodens liegt auch im Sommer die Lufttemperatur unter dem Gefrierpunkt. Das flüssige Ammoniak verdunstet im unteren Bereich der Röhre, entzieht dadurch dem Permafrostboden Energie - also Wärme - und hält ihn kühl. Der Ammoniakdampf steigt in der Röhre auf und gibt an deren oberen Ende seine Wärme an die Atmosphäre ab, wird dabei wieder flüssig und fließt nach unten. 10.000 solcher Kühlstäbe wurden in den Oberbau der Strecke eingebracht. Eine weitere Möglichkeit, die Strecke zu stabilisieren, ist eine besondere Form des Oberbaus: Der drei Meter hohe Bahndamm wurde aus grob behauenen, kopfgroßen Steinbrocken errichtet, die ohne Mörtel übereinander geschichtet wurden. Der Dauerwind auf dem Hochplateau bläst durch die Ritzen und hält den Boden kalt. Der Permafrostboden soll allerdings aufgrund der globalen Erwärmung in den nächsten 50 Jahren um ein Drittel zurückgehen.

Die Züge erreichen in Gebieten mit gefrorenem Boden 100 km/h. Das ist die weltweit höchste Geschwindigkeit, die Züge auf gefrorenem Hochlandboden fahren. Auf Streckenabschnitten ohne Permafrostboden sind 120 km/h zulässig.

Streckendaten Lhasa - Golmud:

Länge: 1.142 Kilometer
davon über 4.000 m Seehöhe: 960 Kilometer
davon auf Permafrostboden: 550 Kilometer
Höchster Punkt: Tanggula-Pass, 5.072 Meter
Höchstgelegener Bahnhof der Welt: Tanggula, 5.068 Meter
Höchstgelegener Tunnel der Welt: Fenghuo-Shan-Tunnel, 4.905 Meter
Längster Tunnel: Yangbajing-Tunnel, Länge: 3.345 Meter
Anzahl Brücken: 675 mit einer Gesamtlänge von 160 Kilometern (ab Xining)
Längste Eisenbahnbrücke der Welt über Permafrost: Qingshuihe Brücke, Länge: 11.7km
Bauzeit Abschnitt: Nanshankou - Lhasa 2001-2005
Eröffnung: 1. Juli 2006
Fahrtzeit: Golmud - Lhasa etwa 12 Stunden
Geschätzte Kosten: 3,3 Milliarden €

Aufgrund der Gefahr der Höhenkrankheit haben alle Wagen Systeme zur Sauerstoffversorgung für Reisende. Ab einer Höhe von etwa 3.000 Metern wird das System eingeschaltet und über Düsen im Gang und den Abteilen zusätzlich Sauerstoff in die Wagen geblasen. Nach offizieller Aussage werden die Züge von medizinischem Personal begleitet. Jeder Fahrgast muss ein Formular unterzeichnen, dass er körperlich gesund ist.


Vor Jahren hatten wir mal eine Dokumentation zur höchsten Eisenbahn der Welt gesehen und haben damals schon spontan gesagt, dass wir das einmal in unserem Leben machen müssen. Für uns stand also von Anfang an fest, dass wir auf dieser Tour nur über diesen Weg nach China einreisen werden. Die Fahrt nach Xining kostete uns pro Person 200 US$ (Soft Sleeper Betten), im Internet kann man die Tickets schon für 170US$ bekommen, sie müssen einem aber innerhalb Chinas oder Tibet zugeschickt werden können. Das Ticket von Lhasa nach Xi'an ist billiger als mit dem Flieger, dauert aber auch schlappe 38 Stunden.

Peldon und unser Fahrer brachten uns nach dem Frühstück zum Bahnhof in Lhasa. Peldon begleitete uns noch bis zur ersten Sicherheitskontrolle und wir verabschiedeten uns von ihr. Sie hat ihre Sache wirklich gut gemacht und wir gaben ihr Trinkgeld und das ausgefüllte Bewertungsformular zu dieser Tour.

Bei der ersten Sicherheitskontrolle wurden die Reisepässe inklusive China-Visum sowie das Zugticket kontrolliert. Die zweite Sicherheitskontrolle war dann wie am Flughafen. Gepäck musste durch die Röntgenanlage, wir wurden abgetastet. In unserer großen Reisetasche hatten wir unsere Haarschneideschere und die wurde konfisziert. Zwei Nagelscheren und unser Obstmesser durften wir behalten! Für uns total unlogisch, aber es hatte keinen Zweck sich da bei den Sicherheitsleute zu beschweren. Englisch verstanden die sowieso nicht und irgendwie machen die ja auch nur ihren Job. Ein bisschen sauer waren wir aber schon. Wen sollten wir denn während der Fahrt mit der Schere ermorden, hmmmm?

Ursprünglich hatten wir gehofft ohne Umsteigen nach Xi'an fahren zu können. Aber die Tibetagentur in Kathmandu hatte das Ticket so spät gebucht, dass alle Sitze für den Direktzug schon weg waren und wir nun in Xining mit drei Stunden Aufenthalt umsteigen mussten. Statt 22.30 Uhr Ankunft in Xi'an, bedeutete das nun fast 2 Uhr morgens. Ich bin in Lhasa deswegen noch einmal zum Ticketschalter gegangen, um nachzufragen, ob noch Plätze auf dem Direktzug sind. Wir waren die einzigen Reisenden aus dem Ausland und man holte extra einen Übersetzer an den Schalter. Die junge Frau sprach verständliches Englisch und schaute nochmals im Computer nach. Alles sehr freundlich, aber leider vergeblich. Wir sahen an den Menschenmassen im Bahnhof schon, dass wohl keine Plätze mehr frei sein werden.

Es gibt drei Platzkategorien auf dem Zug:
1. Soft Sleeper: Vier-Bett-Abteil (zwei Doppelstockbetten) mit regelbarer Sauerstoffdüse an einem Bettende, Leselampe und kleinem Bildschirm am anderen Ende. Dazu Kopfkissen, Bettwäsche, zentraler Tisch und Kabinentür.
2. Hard Sleeper: Sechs-Bett-Abteil (zwei Dreistockbetten) mit schmaleren Betten und Steckdosen nur auf dem Gang.
3. Seat: Sitzplätze in der Anordnung 2te und 3te Klasse.

Wir gönnen uns ja selten was (;-), aber bei der langen Fahrt wollte Madame etwas Luxus haben. Schon im Bahnhof merkte man das, denn die Wartehalle für die Soft-Sleeper ist mit Ledersofas, sauberen Toiletten, Panoramablick auf die Gleise und Klimaanlage ausgestattet. Während die Sitzplatzbucher auf harten Holzbänken im lauten Gewimmel saßen.

Wir mussten ca. 40 Minuten auf die Abfahrt warten. Kein Problem, wir haben ja unsere eBook Reader dabei! Gegen 11.45 Uhr konnten wir dann die Wartehalle verlassen und den Zug besteigen. Wow! Das Abteil war sehr sauber und sah gemütlich aus. Wir teilten es uns mit einem Chinesen. Er war ein Geschäftsmann aus X'an, der mindestens einmal im Monat mit der Bahn nach Lhasa fährt. Er stellte sich uns im passablen Englisch als David vor. Seinen Chinesischen Namen hätten wir uns eh nicht merken, geschweige denn aussprechen können.

Wir hatten Probleme unser großes Gepäck unterzubringen, denn unter dem Bett war der Platz nicht hoch genug, um unsere schwere Reisetasche drunter zu schieben. Der Rucksack passte in das obere Staufach, aber die Tasche war mit gut 25kg zu schwer, um sie da hoch zu hieven. Wir haben sie dann am Kopfende meines Bettes untergebracht. Ich schlafe eh in der Embryo-Stellung!

Der Zugwaggon war mit drei Waschbecken, zwei Arten von Toiletten (Westlich und Bodenloch) und einer Heißwassermaschine ausgestattet. Draußen im Gang gab es Klappsitze neben dem Panorama-Fenstern. Mein Fotografenherz hat gleich gesehen, dass die Fenster schon lange nicht mehr geputzt wurden! Seufz!

Helen war ganz begeistert, dass schon eine Thermoskanne mit heißem Wasser auf uns im Abteil wartete. Sie holte noch vor der Abfahrt unsere Teetassen, die Teebeutel und den Zucker raus. Sind wir vorbereitet, oder was? Da wir schon wieder Hunger hatten, wurde auch gleich noch der Kuchen vertilgt. Nett ist auch, dass man seine Schuhe ausziehen kann und Frottichschlappen (á la Luxushotel) in verschiedenen Farben bekommt. Nicht, dass man die mit einem Mitfahrer verwechselt und Fußpilz bekommt! Ich mache hier erst gar nicht den Vergleich mit den Indischen Zügen! Da liegen Welten dazwischen!

Unsere Schaffnerin kam vorbei und tauschte unsere Bordkarten gegen eine Plastikkarte aus. Anschließend gab sie uns ein Gesundheitsformular. Alle Fahrgäste müssen dieses ausfüllen. Der Zug erreicht auf dem Tibetanischen Plateau Höhen von über 5000m. 30 bis 40% weniger Sauerstoff können zur Höhenkrankheit führen. 2006 starb ein 75-jähriger Mann aus Hong Kong im Zug. Er hatte bereits Herzprobleme in Lhasa, bestand aber auf die Fahrt. Wir waren immer noch gut an die Höhe angepasst, aber man weiß ja nie ...

Der Zug verließ tatsächlich pünktlich auf die Minute um 12.08 Uhr den Bahnhof von Lhasa. Lhasa liegt auf 3.650m Höhe und der Zug klettert über die nächsten Stunden langsam aber stetig höher. Wir machten es uns gemütlich und genossen den Blick aus dem Fenster. Die Landschaft wechselte ständig und uns wurde nicht langweilig. Hier und da sieht man mal eine Siedlung und ein paar Yaks, ansonsten scheint die Landschaft endlos zu sein. Schneebedeckte Berge und Gletscher konnten wir dann nahe des Nam-Tso See bewundern.


Mit der höchsten Bahn der Welt von Lhasa nach Xi'an (China)

Irgendwann wurden wir hungrig und suchten das Bordrestaurant auf. Das Menü war nur auf Chinesisch, aber ein Ober nutzte sein iPhone, um es für uns zu übersetzen. Wir wählten vorsichtshalber die sichere und einzige Vegetarische Variante - Kohl mit Reis und Shiitake Pilzen. Etwas fade, aber essbar! Jetzt wussten wir auch, warum die meisten Fahrgäste sich große Töpfe mit Fertig-Nudeln mitbrachten!

Leider stoppte der Zug nicht bei der höchsten Bahnstation der Welt, dem Tanggula Bahnhof auf 5.068 Meter. Wir verfolgten im Zug den Bordcomputer, aber in allen Abteilen wurde eine andere Höhe angezeigt. So ganz richtig gingen die Siemens Geräte nicht. Deutsche Markenqualität! Wir rasten mit Höchstgeschwindigkeit durch den Tanggula Bahnhof und konnten so schnell nicht mal ein Foto machen.

Draußen muss es ziemlich kalt gewesen sein, denn die Flüsse waren gefroren. Im Abteil war es aber angenehm warm und von der Höhe haben wir auch nichts gespürt. Die Fahrt war wirklich sehr entspannt und angenehm. Zwischendrin holten wir mal die Karten raus und spielten eine Partie Rommee.

Ab 21 Uhr wurde es dann draußen dunkel und wir machten uns Bett-fertig. Die Betten waren ziemlich gut, dicke Decken und Kopfkissen waren sauber und man konnte erstaunlich gut schlafen. Der Zug hielt gegen 2.25 Uhr in Golmud, wo viele Leute aus- und einstiegen. Das vierte Bett in unserem Abteil wurde von einer Frau belegt. Irgendwann mitten in der Nacht sind wir dann auch noch durch den längsten Tunnel der Welt auf Permafrost gefahren, aber da waren wir im Tiefschlaf.

Um 8.30 Uhr weckte uns dann die Schaffnerin unsanft auf, um unsere Plastikkarten wieder gegen das Original-Ticket zu tauschen. Warum die das überhaupt machen, ist mir schleierhaft. Ich war noch überhaupt nicht wach und konnte natürlich auch prompt diese blöde Plastikkarte nicht finden. Grummel, grummel. Ich habe die Schaffnerin erst einmal weggeschickt, um mich umziehen zu können. Ich wollte nicht in der Unterhose vor ihren Augen durch unsere Taschen gehen. Gefunden habe ich die Karte dann in meiner Kameratasche. Helen hat mal wieder nur mit den Augen gerollt!

Der Zug hatte während der ganzen Fahrt nach Xining Verspätung, muss dann aber irgendwo auf der Strecke Tempo gemacht haben, denn wir kamen pünktlich um 10.30 Uhr in Xining an. Um 13.45 Uhr sollte der nächste Zug nach Xi'an abfahren, wir hatten also über drei Stunden Aufenthalt am Bahnhof.

Die Bahnstation war riesig und wir hatten keine Ahnung, wo unser nächster Zug abfahren sollte und ob er überhaupt schon da war. Ich fragte eine Sicherheitsbeamtin auf dem Bahnsteig und sie forderte über Walkie-Talkie eine Person, die Englisch spricht, an. Diese nahm uns dann ganz lieb in den Schlepptau und wir wurden auf dem schnellsten Weg - teilweise durch abgeschlossene Hintertüren - in die abgetrennte Wartehalle für die 1. Klasse-Fahrer geleitet. Super Service!

Erneut machten wir es uns auf den Sofas bequem. Die Snackbars im Bahnhof hatten nicht viel zu bieten und ich bin dann mit meinem Reisepass und dem Ticket aus dem Bahnhof raus gegangen, um mich in der Umgebung umzugucken. Es gab diverse Stehrestaurants und kleine Einkaufsläden und ich deckte uns mit Getränken und Fertig-Nudeltöpfen ein. Gelernt ist gelernt! Wer weiß, wie das Essen im nächsten Bordrestaurant ist.

Pünktlich startete auch der zweite Zug von Xining nach Xi'an um 13.45 Uhr. Die ersten drei Stunden hatten wir das Viererabteil für uns alleine. Der Zug war scheinbar etwas älter und es gab nicht die modernen Bildschirme im Abteil. Die Fenster waren etwas kleiner, aber draußen gab es eh nicht viel zu sehen. Xining ist eine typische Chinesische Großstadt mit vielen Wolkenkratzer. Irgendwo müssen die zwei Milliarden Menschen in China ja leben.


Zugfahrt von Lhasa nach Xi'an Teil 2

Wir machten uns die Fertignudeln mit dem heißen Wasser. Nicht übel! Gegen 15.30 Uhr wurden wir dann noch einmal richtig müde und legten uns schlafen. Leider kamen kurze Zeit später zwei Chinesinnen in unser Abteil und nervten mit ihren iPads und Smartphones. Erst wurde ein Film laut geguckt, dann mussten wir Stundenlang das Gedongel von irgend einem Computerspiel ertragen. Haben die keine Kopfhörer?

Gegen 18.30 Uhr gaben wir den Schlaf auf und suchten das Bordrestaurant auf. Ich wollte unbedingt gucken, wie gut oder schlecht es im Vergleich zum ersten Zug war. Schlechter! Helen bekam kaum einen Bissen runter und setzte auf einen zweiten Fertig-Nudeltopf. Die Heißwassermaschine im Zug funktionierte aber nicht richtig und der Topf wurde mit kaltem Wasser gefüllt. Damit ging natürlich gar nichts und Helen musste das Wasser wieder abgießen. Eine Schaffnerin besorgte dann das heiße Wasser. Aber Madame was not amused! Und dann ging uns auch noch der Zucker für den Tee aus! Katastrophe! ;-)

Um 1.30 Uhr morgens erreichten wir dann den Bahnhof von Xi'an und brachen in der hohen Luftfeuchtigkeit und Hitze gleich in Schweiß aus. Puh, dass waren wir nach gar nicht mehr gewohnt!

Obwohl wir total übermüdet waren, hatten wir doch noch genügend Verstand beisammen, um zu erkennen, dass viele Taxifahrer uns zu dieser Nachtzeit über den Tisch ziehen wollten. Wir sind dann zur nächsten Hauptstraße gelaufen und haben ein Taxi für den halben Preis zur Jugendherberge bekommen.

Die Türen der Jugendherberge waren bereits verriegelt. Oh, Scheiße! Wir klopften wild an die Tür und zum Glück kam tatsächlich noch jemand und machte uns auf. Puh! Wir checkten ohne großen Schnörkel ein und fielen mehr oder weniger Kopfüber ins Bett.

Die Zugfahrt war aber echt ein Erlebnis und wird uns immer in guter Erinnerung bleiben!